Sind gläubige Juden liberal?
Herbert Winter, der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) sieht die Liberalität in der Schweiz gefährdet. Die freie Religionsausübung ist laut Winter eine Errungenschaft des liberalen Schweizerischen Bundesstaats. Er sieht diese nach der Annahme des Bauverbots für Minarette und aufgrund von Debatten über ein Burkaverbot, konfessionelle Friedhöfe, Knabenbeschneidungen oder Schulabsenzen an religiösen Feiertagen in Gefahr. Aussage von Winter: «Wir befinden uns in einem Wahljahr, und diffuse Ängste werden bekanntlich gerne instrumentalisiert».
Ich sehe das ein bisschen anders als Winter. Es ist die Aufgabe von Politikern, dass sie die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernstnehmen und gesellschaftliche Probleme lösen. Von Instrumentalisierung diffuser Ängste kann man hier nicht sprechen. Die religionskritischen Debatten in der Gesellschaft haben sehr viel mit religiösem Extremismus, der bis zu religiös motiviertem Terrorismus ausarten kann, zu tun.
Die Religionsfreiheit ist in der Schweiz auch nach dem Bauverbot für Minarette keineswegs in Gefahr. Ein gläubiger Muslim kann seinem Glauben nach wie vor nachgehen. Bei den Debatten in der Gesellschaft geht es darum wie viel Toleranz gegenüber intoleranten Religionen gewährt werden soll. Schweizer Bürger haben unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit das Schweizer Recht zu respektieren und einzuhalten. Extrawürste, Sonderregeln und Sondergesetze wie sie z.B. bei der Debatte über eine Einführung der Scharia in der Schweiz diskutiert wurden, werden von einer Mehrheit der Bevölkerung nicht goutiert.
Die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam sind alles andere als liberal und tolerant. Es ist daher erstaunlich, dass gerade «gläubige» Vertreter dieser Religionen versuchen sich hinter liberalen Grundwerten zu verstecken. Ich halte das für verlogen und heuchlerisch.
Was würden gläubige Juden wohl von der Jüdin halten, die mit einem Nichtjuden wie mir im Bett war? Wie liberal würden sie das sehen? Haben wir in der Schweiz fundamentalistischere Juden als in Tel Aviv? Hier ein Hinweis auf eine mögliche Antwort. Wer eine fixe Idee eines Gottes hat bzw. sich ein Bild dieses Gottes gemacht hat, ist kaum liberal. Meine Erfahrung ist, dass ich gewisse Menschen mag und gewisse Menschen nicht mag. Die Religion spielt dabei keine Rolle, sofern sie nicht einen wesentlichen Teil des Wesens meines Gegenübers prägt.
Interessant: Frauen hinten, Männer vorne.






